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Aktuelles

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Brief an den VDH

Sehr geehrter Herr Kopernik,

 

vielen Dank für das Rundschreiben Nr. 19/2023.

 

Sie schreiben dort: „Der VDH-Vorstand hat die von der Arbeitsgruppe zusammengestellten Merkmale als verbindlich für alle VDH-Veranstaltungen erklärt. Der Beschluss hat auch nach der Rücknahme der „Hannoveraner Erklärung“ Bestand.“ Und weiter unter Zusammenfassung, Punkt 3.: „Die Ausschlussmerkmale müssen erblich bedingt sein.“

 

Punkt 3 der Zusammenfassung ist für die Pudelzuchtvereine und Pudelhaltenden von besonderem Interesse in Bezug auf das Kürzen der Sinushaare bei Pudeln. Das Kürzen der Gesichtshaare, und damit unvermeidbar auch der Sinushaare, ist für das Wohlbefinden und die Pflege der Pudel unerlässlich, da auch das Gesichtshaar der Pudel stetig wächst.

 

Wir verstehen das o.a. Rundschreiben derart, dass gekürzte Sinushaare ab sofort nicht mehr Bestandteil des VDH-Merkmalskatalog sind. Dies begrüßen wir sehr.

 

Im Folgenden möchten wir Ihnen die Position der vier deutschen Pudelzuchtvereine Allgemeiner Deutscher Pudelclub, Deutscher Pudel-Klub, Pudel Zucht Verband 82 und Verband der Pudelfreunde Deutschland zu dem Thema „Kürzen von Sinushaaren“ mitteilen:

 

Sinushaare/Vibrissen sind der unbelebte äußere Teil des Follikel Sinus Komplexes. Sie bestehen aus Keratin, einem leblosen Material, aus dem z.B. auch die menschlichen Haare sowie Finger- und Fußnägel bestehen. Sinushaare sind weder Organ noch Gewebe. Das Kürzen der Sinushaare ist keine Amputation, ebenfalls wird durch das Kürzen der Sinushaare kein Gewebe zerstört. Das Kürzen der Sinushaare ist schmerzfrei. Sie wachsen nach dem Kürzen schnell wieder nach.

 

Das Kürzen der Sinushaare fällt dementsprechend weder unter § 6 Tierschutzgesetz noch unter § 1 Tierschutzgesetz. Tatsächlich findet sich der Begriff Sinushaar(e)/Vibrisse(n) auch weder im Tierschutzgesetz noch in der Tierschutzhundeverordnung.

 

Der von vermeintlichen Tierschützern im Zusammenhang mit dem Kürzen von Sinushaaren oft verwendete Begriff „temporäre Amputation“ ist unsinnig, da bei Wirbeltieren amputierte Gewebe und Organe nicht nachwachsen können.

 

Der Follikel Sinus Komplex wird als sensorisches Organ angesehen. Dies konnte für diverse Säugetiere gezeigt werden. Die Studie „Funktion und Leistung des Vibrissensystems von Hunden“ von Prof. Guido Dehnhardt und Mitarbeiterinnen deutet eine sensorische Funktion auch bei Hunden mit deutlich aus der Behaarung herausstehenden Sinushaaren an. Die Autoren beschreiben, dass Hunde mit längerem Fell im Schnauzenbereich längere Sinushaare haben, die deutlich aus dem Fell herausstehen. Wäre dies nicht der Fall, würden sie eine mechanosensorische Maskierung erfahren. Wir merken an, dass wollhaarige Hunde, wie der Pudel, nicht in diese Studie eingeschlossen waren.

 

Der Pudel hat kein zweischichtiges Fell, sondern kontinuierlich wachsende Haare. Die Sinushaare sind bei nicht-gekürztem Haar vollständig in die Locken der Fangbehaarung eingebettet. Sie stehen nicht frei aus der Fangbehaarung heraus. Das freie Herausstehen der Sinushaare aus der Fangbehaarung ist laut wissenschaftlicher Meinung (s.o.) allerdings unabdingbar für eine Funktion der Sinushaare, da nur so ein Reiz auf den Haarschaft übertragen werden kann.

 

Hauptsächlich bei nachtaktiven und wasserlebenden Säugetieren konnte darüber hinaus eine Verhaltensrelevanz der Sinushaare gezeigt werden. Wissenschaftliche Erkenntnisse zur Verhaltensrelevanz der Sinushaare bei Hunden liegen bislang nicht vor. Wie bereits die Autoren der o.g. Studie, regen auch wir Untersuchungen dazu an. Diese sollten mit besonderem Augenmerk auf Unterschiede zwischen den Hunderassen geschehen, da diese durch verschiedene Fellstrukturen gegeben sein könnten.

 

Der Argumentation zum Thema „Kürzen von Sinushaaren“, dass nichts entfernt werden solle, wenn keine Daten vorliegen, die belegen, dass das Entfernte keine Wichtigkeit hat, stimmen wir grundsätzlich zu.

 

Die Erfahrungswirklichkeit aus langjährigen Beobachtungen der Pudelzuchtvereine und der Pudelhaltenden zeigt allerdings bereits klar, dass Pudel mit gekürzten Sinushaaren keinerlei Beeinträchtigungen erfahren und ebenso keine Änderungen in ihrem Verhalten zeigen. Unabhängig davon ob sie als Familienhund leben, im Sport geführt und auf Shows vorgestellt werden oder soziale Aufgaben als Therapie-, Assistenz- und Besuchshunde übernehmen. Ebenfalls sind uns keine Berichte bekannt, dass Pudel mit gekürzten Sinushaaren vermehrt mit Verletzungen im Kopfbereich bei praktizierenden Tierärzten vorgestellt würden. Die Basis unserer Erfahrung ist sehr umfangreich, wie die jährliche VDH Welpen Statistik – in welcher Pudel jeweils einen vorderen Platz belegen – deutlich zeigt.

 

Auch liegen beim Pudel keine Qualzuchtmerkmale vor. Der Gesetzgeber fasst unter §11b des Tierschutzgesetzes dazu einen klaren Rahmen:  Die Zucht von Tieren, deren Nachkommen erwartbar von Leiden, Schmerzen und Schäden betroffen sind, wird als Qualzucht bezeichnet und ist verboten. Der Pudel ist eine sehr agile, gesunde Hunderasse und erfüllt den Tatbestand dieser Vorschrift eindeutig nicht.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Karl-Heinz Skorupinski

  1. Vorsitzender Allgemeiner Deutscher Pudelclub

 

 

Werner Lingenfelser

Präsident Deutscher Pudel-Klub

 

 

Jürgen Fischer

  1. Präsident Pudel Zucht Verband 82

 

 

Heike Longino-Ziecke

Präsidentin Verband der Pudelfreunde Deutschland

 

 

Problematik des Entfernens der Sinushaare beim Haushund

Wege aus dem Flaschenhals: Allgemeiner Deutscher Pudelclub ADP e.V.

An den vergangenen beiden Sonntagen fand unsere Online-Fortbildung zum VGL Diversitätstest statt.

An dieser Stelle nochmal ein ganz dickes “Dankeschön ” an Yvonne Neuschulz von Rock a Dog Hamburg.

Mit einer tollen Präsentation hat sie die umfangreiche Thematik verständlich und unterhaltsam vermittelt.

Das Interesse der Züchter und Mitglieder aus dem ADP war groß, die Ideen aus der anschließenden Diskussion werden bei der Weiterentwicklung der Zuchtstrategie – gerade im Bezug auf Gesundheit und Wesen – im ADP mit Sicherheit berücksichtigt werden.

Wir freuen uns auf die Umsetzung neuer Ideen!

Wege aus dem Flaschenhals

Verantwortungsvoll züchten mit dem VGL Dversitätstest

An den Sonntagen 17. & 24. Januar 2021 wird Yvonne Neuschulz zwei aufeinander aufbauende Online-Seminare für ADP-Mitglieder geben, in denen die Grundlagen
dieses Tests erläutert werden.

Der VGL-Test bietet Züchter/innen die Möglichkeit die
Gesundheit der zukünftigen Pudelgenerationen maßgeblich positiv zu beeinflussen.
Auch Welpenkäufer/innen, denen die Gesundheit ihres Pudels am Herzen liegt, sind herzlich willkommen.

Inhalte der Online-Seminare:

Teil 1 – Grundlagen
– Weshalb der Inzuchtkoeffizient quasi nutzlos ist
– Was versteckt sich hinter den Begriffen IR, OI, AGR und was sagen diese Werte über meinen Hund aus?
– Was sind Haplotypen und welche wichtigen Hinweise können hier für die Gesundheit abgelesen werden?
– Wie sieht so ein Zertifikat aus und was lese ich daran ab?
– Was ist betterbred und wie nutze ich dieses wichtige Werkzeug?

Teil 2 – Praxis in der Zucht
– Wie bestelle ich den Test?
– Backenabstrich machen
– Wie interpretiere ich das Ergebnis für meinen Hund?
– Wer mit wem? Anhand von Testverpaarungen wird auf die unterschiedlichen Zuchtergebnisse bei jeweils unterschiedlichen Partnern eingegangen.